Flaschenpost von der AGIV

03.07.19 | 20:59 UTC | 37° 02,095′ N | 24° 41,330′ W

Prolog – Was bisher geschah:
auch die schönste Zeit geht mal zu Ende und so ist es nun an der Zeit, die AGIV aus der Karibik wieder in heimische Gewässer zu bringen. Nachdem die Transatlantikcrew von Guadeloupe bis nach Sao Miguel gekommen ist, heißt es für uns nun Azoren – La Coruña.  Ein Auftrag mit Tücken, denn noch in der Karibik erbrachte ein Taucher den Beweis für eine lang gehegte Vermutung:
Wir haben eine Schraube locker – oder mit anderen Worten: Unser Propeller wackelt.
Unser neuer Auftrag lautet also: Auf zum Festland (über Kran).

30.07.19
An Bord herrscht emsiges Treiben. Am Vorabend ist der Großteil der Crew eingetroffen. Nach einem späten aber exquisiten Abendessen durften wir noch einen studentischen Verein ganz anderer Art kennenlernen. Eine „Tuna“, ein Musikensemble irgendwo zwischen Band, Kapelle und Chor sorgte für Stimmung in der kleinen Hafenstadt Porta Delgada. Nun wird das frisch vom Segelmacher gelieferte Groß angeschlagen, Vorräte werden verstaut, die Wassertanks befüllt und Lot und Logge werden untersucht. Ergebnis: Rien ne vas plus – immer wieder etwas Neues!
Am Nachmittag kutschiert uns Hermann im Bürgerbus über Die Insel. Wusstet ihr, dass auf den Azoren die einzige Tee-Plantage Europas steht? Nachdem
mit Antje auch unsere Schifferin zu uns gestoßen ist, geht es weiter durch die wunderschöne Landschaft. Vorbei an fantastisch blühenden Hortensienbüschen, malerische Dörfer, und  spannenden Lost Places. Schließlich lassen wir den Abend bei einem Pfarrfest zu Ehren von San Juan und der Sommersonnenwende ausklingen.

01.07.19
Heute wird die erste Seeluft geschnuppert. Von Soa Miguel geht es 60 Seemeilen herüber nach Santa Maria, der Insel die aus Träumen geboren wurde, wie uns Jörg immer wieder vorsingt. Dabei gehört das Lied doch auf den Index! Für uns hat das Inselhopping mehr einen praktischen Anlass. Am nächsten Tag wartet dort der Kran auf uns. Und auch der Wind zwischen den beiden Azoreninseln ist alles andere als traumhaft. So erreichen wir den Hafen von Vila do Porto schon tief in der Nacht nach einer nervenzehrenden Motorboottour. Auch vom ausgefallenen Lot lassen wir uns nicht unterkriegen. Die bedenklich flache Hafeneinfahrt wird einfach per Hand abgelotet.
Nun aber ab ins Bett, denn am nächsten Tag ist viel Arbeit angesagt.

02.07.19
Per Travellift geht es für die AGIV in luftige Höhen. Bis zuletzt haben wir nicht geglaubt, dass wir tatsächlich darunter passen werden, doch ab jetzt läuft alles wie am Schnürchen. Zwar nicht hoch genug, dass es der dauerhaft abgesenkte Kiel über die Hafenkante schafft, doch zum Arbeiten am Saildrive weit genug.
Dem Taucher auf Guadeloupe müssen wir leider Recht geben, wir haben eine Schraube locker, dich nach drei Stunden haben wir einen neuen Propeller, der Rumpf ist immerhin zu zwei Dritteln sauber und der Saildrive hat wieder eine Opferanode. Dieses tapfere Stück Metall opfert sich, wie derName schon sagt, damit der Saildrive nicht der Korrosion zum Opfer fällt. Auch heute beweist der Arbeitsschutz- und Sicherheitsverein (kurz ASV) wieder einmal, dass er zu seinem Namen steht. Freundliche Unterstützung gibt es dabei von den Mitarbeitern des Hafens. So wird aus einer viel zu kurzen Leiter, einem Gabelstapler und einer Europlatte in Nullkommanichts ein Weg, um vergessenes Werkzeug aus der im Travellift schwebendes AGIV zu holen. So ein bahnbrechender Erfolg ist  Grund genug, um auf die harte Arbeit das Vergnügen folgen zu lassen. Zwei Kilo Shrimps (als Vorspeise) hat sich die Crew mehr als verdient.

Kapitel 1 – endlich wieder Segeln
Dann  ist der lang ersehnte Tag gekommen, an dem der Sprung ans Festland gewagt wird, während die einen noch über die optimale Route fachsimpeln, klarieren andere das Schiff. Für die AGIV-Neulinge gibt es die übliche Sicherheitseinweisung, Diesel wird gebunkert und die letzten Vorräte und Teile des Equipments verstaut. Nachdem alle gestärkt durch Couscoussalat bereit für die Reise sind, steuert uns Thomas durch den engen Hafen von Villa Porta
Schon wird die Insel die aus Träumen geboren wurde kleiner, wir starten ins Wachsystem und während ich diese Zeilen schreibe. winkt uns einige riesige Delfinschule mit ihren Flossen zu. Johanna hat nachgezählt. Es waren genau zehntausendunddrei Tiere. Ein netter Abschiedsgruß und ein gutes Omen?

Liebe Grüße von Bord
Fabian

2019-07-16T20:40:47+00:00
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